Pressemitteilung 29. September 2007

Als der Vulkan noch rauchte

Ein Spaziergang in die Erdgeschichte

Zu einem Spaziergang durch die geologische Geschichte des Waldecker Schlossberges lud der Naturpark Steinwald in Zusammenarbeit mit dem Bayerisch-Böhmischen Geopark ein. Der Schloßberg und der benachbarte Kalvarienberg sind wie der Rauhe Kulm oder der Anzenstein Überreste eines rund 20 Millionen Jahre alten Vulkanismus. Was geschah damals und wie sah die Landschaft aus? Diese und andere Fragen rund um die spannende Geologie wurden bei dem zweistündigen Spaziergang von Dr. Andreas Peterek von der Geschäftsstelle des Geoparks beantwortet. *Ein Bruch zerteilt die Erdkruste* Zunächst ging es am Kalvarienberg um die Fränkische Linie, eine in Europa bedeutende Bruchzone, die oberhalb von Waldeck verläuft und Ursache für den Anstieg zum Zwergauer Schieferrücken ist. Die Fränkische Linie, die im Rahmen der Kontinentalen Tiefbohrung intensiv untersucht worden ist, trennt unterschiedlich alte geologische Formationen voneinander. Entlang der Bruchzone haben sich die heutigen Mittelgebirgslandschaften von Fichtelgebirge, Steinwald und nördlicher Oberpfälzer Wald gegenüber dem Oberpfälzer Hügelland herausgehoben. Heute ist die Bruchzone allerdings zur Ruhe gekommen. „Spektakulär muss auch das vulkanische Geschehen vor rund 20 Millionen Jahren gewesen sein“, so Dr. Peterek. Bei einem Durchmesser der vulkanischen Förderröhre des Rauhen Kulms vergleichbar mit der des Vesuvs dürfte die Erde beim Ausbruch des größten der oberpfälzer Vulkane wie auch des Waldecker Schlossberges mächtig gebebt haben. An der damaligen Erdoberfläche, die noch über 100 Meter über den heutigen Berggipfeln gelegen haben soll, entstanden allerdings keine Vulkankegel sondern größere, mit Wasser gefüllte Hohlformen, so genannte Maare. Solche kennt man heute sehr gut aus der Eifel, wo diese zum Teil vor weniger als 12.000 Jahren entstanden sind. Das aus über 60 km Tiefe aufsteigende und über 1000 Grad heiße Magma war beim Aufstieg nahe der Oberfläche mit Grundwasser in Kontakt gekommen. Durch das explosionsartige Verdampfen des Wassers wurden die trichterförmigen Vertiefungen heraus gesprengt. Ausgeschleudertes Gestein und Magma fielen zum großen Teil wieder in den Förderschlot zurück. Diese zerrütteten Massen findet sich heute sehr schön am Kalvarienberg aufgeschlossen. „Solche Explosionen haben sich mehrfach wiederholt, so lange wie es immer wieder zum Kontakt von Magma und Grundwasser gekommen ist“, erläuterte Dr. Peterek den rund 15 Interessierten. Als das Grundwasser erschöpft war, strömte ein kompakter Magmenstrom aus Basalt in das vulkanische Blockwerk ein. Dieser baut heute den eigentlichen Waldecker Schlossberg auf. *Das Unterste zuoberst gekehrt* Die Teilnehmer zeigten sich überrascht davon, dass durch eine jahrmillionen andauernde Abtragung heute nur noch die tieferen Wurzelzonen des Maar-Vulkans erhalten sind. Der einst viele hundert Meter unter der Erdoberfläche liegende harte Basalt wurde nämlich durch seine Beständigkeit durch die Erosion herausgearbeitet. „So etwas nennt der Fachmann eine Reliefumkehr. Was einst tief unten lag, ist heute das höchste“, so Dr. Peterek. Und hoch oben auf dem Waldecker Schloßberg endete dann auch mit wunderbarer Fernsicht auf den Rauhen Kulm die lehrreiche Exkursion. Begeistert zeigte sich Dr. Peterek von der Freilegung des Burgfelsens, der nun einen wunderbaren Einblick in den Aufbau des Waldecker Schloßberges ermöglicht. Er versprach, dieses Kleinod in die zurzeit entstehende geotouristische Karte aufzunehmen, in der die bedeutendsten geologischen Besonderheiten des Geoparks dargestellt sein werden. rw 4.10.2007

Weiterführende Links:

Webpräsents des Bayerisch-Böhmischen Geoparks

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