Pressemitteilng 30. Oktober 2007

Holzlagerung ohne Chemie

Der Orkan „Kyrill“ im Januar diesen Jahres sorgte für Millionenschäden in der Forstwirtschaft. Alleine im Forstbetrieb Waldsassen zu dem auch der gesamte Naturpark Steinwald gehört, fielen rund 180.000 Festmeter Schadholz an. Die Forstleute standen vor einem schier unlösbaren Dilemma. Das Schadholz musste so schnell wie möglich aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht werden, um einen Borkenkäferbefall zu verhindern. Doch wer sollte die unvorstellbare Menge an Stämmen in kürzester Zeit abtransportieren, wie und wo sollte man das Holz lagern ohne das es seinen Wert verliert. Denn den Einsatz der „chemische Keule“ wie etwa das Spritzen mit Pestiziden wollte man in jedem Fall vermeiden. Norbert Zintl, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Waldsassen wandte sich an Wilhelm Ziegler vom gleichnamigen Sägewerk in Betzenmühle bei Plößberg. Dieser erinnerte sich an die positiven Erfahrungen beim Orkan „Wiebke“ im Jahr 1990 mit der sogenannte Nasskonservierung. Diese ursprünglich aus Skandinavien stammende Methode Baumstämme unter ständiger Wasserberieselung zu lagern, hatte sich schon damals bewährt. Die Forstleute erinnerten sich, dass damals auch im Steinwald solche Nassholzlager angelegt und betrieben wurden. In den Archiven wurden nach Unterlagen gesucht und auch die Rohre für die Beregnungsanlagen waren teilweise noch vorhanden. Nach dem auch das Landratsamt sein OK in Form einer „wasserrechtlichen Genehmigung“ gegeben hatte, wurden zwei früher genutzte Beregnungsplätze mit einer Lagerkapazität von jeweils rund 15.000 Festmetern wieder in Betrieb genommen. Die technische Umsetzung war allerdings gar nicht so einfach, wie Forstwirtschaftsmeister Siegfried Schwarzbauer erzählt. Man wollte die Wasserversorgung der Nasslager ohne Strom und Motorkraft sicherstellen. Deshalb wurden im bergigen Gelände oberhalb der Lagerplätze kleine Sammelteiche reaktiviert, in denen das Oberflächenwasser zusammen laufen kann. In einem ausgeklügelten Rohrsystem läuft das Wasser dann rund 50 Höhenmeter begab zu dem Holzlagern und betreibt hier die Sprinkleranlage. Das Vorhaben gelang und seitdem können die anfallenden Holzmengen sukzessive eingelagert und sofort beregnet werden. Jetzt erkundigte sich Wilhelm Ziegler zusammen mit seinen Sohn Stefan wie seine Idee im Steinwald umgesetzt wurde. Für Norbert Zintl vom Forstbetrieb Waldsassen sind die Erfahrungen nur positiv. Der größte Vorteil der Nasskonservierung, sei dass das Holz weder durch Pilze noch durch Insekten befallen werden kann und so seinen Wert erhält. Wichtig ist für ihn vor allem, dass man auf den Einsatz chemischer Mittel verzichten kann. Ein wichtiger Nebeneffekt sei es auch, dass man den Holzmarkt und damit den Holzpreis stabilisieren konnte. Auch für Wilhelm und Stefan Ziegler liegen die Vorteile klar auf der Hand. Durch die großen Nasslager können die Sägewerke kontinuierlich mit Holz versorgt werden. Der Inhaber des Sägewerks ist überzeugt, dass die Stämme ohne Probleme drei bis vier Jahre gelagert werden können, ohne das es zu Qualitätsverlusten kommt. Revierleiter Carsten Klöble nannte das Nasslager ein überzeugendes Beispiel für die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie sowie einen Beleg für den verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen Wald und Holz. Roland Wellenhöfer 30. Oktober 2007

Wasser rieselt ständig über die Baumstämme und sorgt so für einen natürlichen Schutz vor Pilzen und Insektenbefall. Sägewerksbesitzer Wilhelm Ziegler (Mitte) erinnerte sich an die Methode der Nasskonservierung von Rundholz. Norbert Zintl vom Forstbetrieb (links) griff seine Idee auf und setze sie gemeinsam mit Forstwirtschaftsmeister Siegfried Schwarzbauer (2. von links) und Revierleiter Carsten Klöble (rechts) im Naturpark Steinwald um.

Die technische Umsetzung war nicht einfach, wie Forstwirtschaftsmeister Siegfried Schwarzbauer (rechts) erläuterte. Von links: Revierleiter Carsten Klöble, Norbert Zintl, Stefan Ziegler, Wilhelm Ziegler und Siegfried Schwarzbauer.

Rund 50 Höhenmeter oberhalb der Naßholzlager wurden Sammelteiche angeleget, in denen das Oberflächenwasser zusammen laufen kann. Von hier aus werden die Sprinkleranlagen über ein Rohrleitungsnetz versorgt.

Weiterführende Links:

Webpräsenz des Sägewerks Ziegler

Webpräsenz der Bayerischen Staatsforsten

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