Pressemitteilung vom 2. Juli 2007

Natur trifft Kultur

- Vom Akanthusblatt zur Fransenfledermaus

Natur trifft Kultur, zu dieser Veranstaltung hatte der Naturpark Steinwald e.V. in die Reuther St. Katharinenkirche eingeladen. Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Themenkombination an einem ungewöhnlichen Ort. Doch über die Akanthuspflanze, die als Vorlage für die spätbarocken Schnitzereien des Hochaltars diente war der Bogen zu den im Kirchturm beheimateten Fransen-Fledermäusen leicht zu spannen. Bei seinen einführenden Worten hob Robert Mertl hervor, dass sowohl der Aktanthusaltar, als auch die Fledermauskolonie über die Steinwaldregion hinaus von Bedeutung seien. Sein Dank galt vor allem Pater Andreas Gromadzki aus Krummennaab und Ernst Neumann aus Reuth, die diesen Abend in der Reuther Kirche ermöglichten. Den kulturellen Teil bestritt Andrea Härtl aus Erbendorf. Sie führte die Besucher zurück in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, in der die wieder erstarkte Katholische Kirche nach unverbrauchten künstlerischen Ausdrucksformen suchte und im Barock fand. Die originelle Idee die mediterrane Akanthuspflanze als phantasievoll geschnitztes Rahmenwerk einzusetzen entstand in Böhmen und gelangte, so Härtl, über die „Goldene Straße“, dem alten Handelsweg zwischen Prag und Nürnberg, in unseren Raum. Sie erfasste wohl auch den Schulmeister, Organist, Schreiner und Bildhauer Johann Christoph Windisch in Erbendorf, der sich intensiv mit dieser Stilrichtung auseinander setzte. Er war es auch, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit dem Hochaltar in der Kirche St. Katharina in Reuth einen der künstlerisch bedeutendsten Akanthusaltäre in der Oberpfalz schuf. An Hand von echten Akanthuspflanzen, die von Ernst Neumann und Charly Beer aus Plärn extra für diesen Abend zur Verfügung gestellt wurden, leitete Andrea Härtl von der Kultur zum zweiten Thema, der Natur über. Toni Wolf aus Tännesberg, ein anerkannter Fledermausspezialist in der Oberpfalz, nahm den Faden auf und erinnerte daran, dass viele Tier- und Pflanzenarten als sogenannte „Kulturfolger“ von der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft profitierten. Darunter auch die Artengruppe der Fledermäuse, die gerne auch Dachböden in Kirchen und anderen Gebäuden als Sommerquartiere und in unserer Region Felsenkeller als Winterquartiere annehmen. Die Unterschiede im Aussehen der Fledermäuse, etwa zwischen einer Zwergfledermaus mit einer Flügelspannweite von zehn Zentimeter und einem Großen Mausohr mit einer Flügelspannweite von bis zu 40 Zentimeter zeigte Wolf an Beispielen seiner mitgebrachten Präparate. Für die Besucher von besonderem Interesse war die Frage, wie die Fledermäuse ihre Nahrung, in der Hauptsache Insekten, erbeuteten. Dazu benutzen die Tiere vor allem ihre Ortungsrufe, die im Ultraschallbereich liegen und so für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Die Fangmethoden, so Wolf, reichen vom freien Jagdflug über das Absammeln von Blättern bis zum Auflesen vom Boden. Manchmal dient auch die bauchwärts vorgewölbte Schwanzflughaut quasi als Käscher. Der Höhepunkt des Abends war ein nichtalltägliches Naturerlebnis, das gemeinsame Beobachten des Ausfluges der Fledermäuse in der Abenddämmerung. Mindestens zwanzig der in Bayern stark gefährdeten Fransen-Fledermäuse glitten lautlos aus den Schallfenstern des Kirchturms, ließen sich scheinbar ein Stück fallen um dann den Flug zu ihren Jagdrevieren aufzunehmen. Robert Mertl dankte den beiden Referenten für den interessanten und spannenden Abend.

Robert Mertl – 2. Juli 2007

Toni Wolf (links) erläuterte anhand von mitgebrachten Präparaten die großen Unterschiede im Aussehen der Fledermäuse.

Andrea Härtl (rechts) führte die Besucher zurück in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, in der die wieder erstarkte katholische Kirche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen suchte und im Barock fand.

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