Pressemitteilung vom 15.10.2005

Rinder als Landschaftspfleger

Beweidung mit Haustieren wird immer wichtiger, die heimische Kulturlandschaft in Grenzertragsregionen zu erhalten. Schafe werden bereits seit mehreren Jahren im Steinwald zur Offenhaltung der Landschaft eingesetzt. In den vergangenen Wochen nahmen nun erstmals Rinder ihre Tätigkeit als „Landschaftspfleger“ auf. Im Rahmen des Projektes zur ökologischen Aufwertung von Perlmuschelgewässern im Steinwald, das unter der Trägerschaft des Naturparks Steinwald e.V. seit 2002 läuft, beweideten sie eine ökologisch wertvolle Brachfläche nördlich von Friedenfels.

Zum Einsatz kam dabei das Rote Höhenvieh oder kurz Rotvieh, eine früher in der Oberpfalz weit verbreitete Rinderrasse, die durch die Mechanisierung in der Landwirtschaft sowie durch das Fleckvieh verdrängt worden war. Umso erfreulicher, dass dieses ehemals als Zugtier, Fleischrind und Milchvieh lange geschätzte, klassische Dreinutzungsrind seit mehreren Jahren unter den Züchtern neue Freunde gefunden hat. Darunter auch die Güterverwaltung Friedenfels, die mittlerweile über eine fünfzehn- bis zwanzigköpfige Herde verfügt und vier Jungstiere für die Beweidung zur Verfügung stellte.

 
Nicht ganz einfach war die Aufgabe, die den Tieren gestellt worden war. Auf einer ehemaligen Rodungsfläche oberhalb des Griesweihers bei Friedenfels, im Tal des Strudelbaches sollte der aufkommende Bewuchs an Erle, Himbeere und Fichte zurückgedrängt werden und so als Nahrungsbiotop für den Schwarzstorch offen gehalten werden. Nachdem die mechanische Landschaftspflege langfristig zu aufwändig wäre, entschlossen sich Georg Reichert von der Güterverwaltung Friedenfels und Robert Mertl vom projektbetreuenden Büro für Landschaftsökologie Konrad & Mertl die Beweidung der Fläche mit Rotvieh auszuprobieren. Beraten wurden sie dabei von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth durch Richard Schleicher und Toni Wolf, der als Mitinitiator des Rotvieh-Projektes bei Tännesberg bereits über einschlägige Erfahrungen mit der alten Rinderrasse verfügt.

Die Arbeit, die von den Jungstieren geleistet wurde, überzeugte schließlich auch die anfänglichen Skeptiker. Selbst als Futter wenig attraktive Bestände mit Seegras wurden von den genügsamen Tieren sauber abgeweidet. So musste am Ende der Aktion der Pflegetrupp des Maschinenringes Tirschenreuth unter der Führung von Josef Höcht aus Voitenthan lediglich die abgefressenen Stängel der Himbeeren, die teilweise bereits zurückgebissenen Jungfichten und die größeren Erlen mit dem Freischneider beseitigen.

In einem Gespräch mit der höheren Naturschutzbehörde soll nun in der kommenden Woche beraten werden, ob diese Art der Landschaftspflege nach dem Prinzip „Schutz durch Nutzung“ auch auf anderen Flächen im Steinwald angewendet werden kann. Sollte der begonnene Weg erfolgreich weitergeführt werden können, wird nicht nur die Erhaltung einer alten Haustierrasse und einer vielfältigen und abwechslungsreichen Erholungslandschaft einen Schritt vorangebracht, sondern auch die Palette hochwertiger Produkte aus der Region erweitert werden. Denn Beweidung ist Landschaftspflege, die man schmecken kann.  

R. Mertl - 16.05.2007

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