Bedeutende Moore im Steinwald

Im Rahmen unserer Jahreshauptversammlung referierte Michael Winterholler vom Landesamt für Umwelt (LfU) über die Bedeutung der Moore im Natur-, Klima-, Boden- und Gewässerschutz. Die Zuhörer erfuhren, dass Niedermoore durch nährstoffreiches Grundwasser gespeist werden, Hochmoore dagegen durch Regenwasser. Abgestorbene Pflanzenteile insbesondere Torfmoose bilden im Laufe vieler Jahre die Torfschicht. Sie wächst pro Jahr um etwa einen Millimeter.

In Bayern gibt es Moore mit einer Mächtigkeit von über zehn Metern. Man kann sich leicht ausrechnen, wie lange die Natur daran gearbeitet hat. Weitaus weniger Zeit brauchte der Mensch, um zu zerstören, was sich seit der letzten Eiszeit vor gut 10 000 Jahren gebildet hatte. Zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert wurden Moore in großem Stil entwässert. Um Torf für Gartenbau und Verbrennung zu gewinnen aber vor allem um die Flächen land- und forstwirtschaftlich nutzen zu können.

Wo es möglich ist, versucht der Naturpark Steinwald mit anderen Akteuren wie Staatsforst und Kommunen, die Entwicklung rückgängig zu machen. An den Lebensraum Moor haben sich viele Tier- und Pflanzenarten angepasst. Manche leben nur dort, viele sind erheblich bedroht, wie etwa die Arktische Smaragdlibelle. Moore haben jedoch auch eine ausgleichende Wirkung auf den Wasserhaushalt. Torfmoose seien in der Lage, ein Vielfaches ihres Gewichtes an Wasser aufzunehmen, sagte Winterholler: "Je nach Zu- oder Abfluss quellen und schrumpfen die Moore." Das kann Hochwasser ein wenig dämpfen, denn der natürliche Wasserrückhalt hilft, die Abflüsse bei Starkregen zu "vergleichmäßigen". Was den Klimaschutz betrifft ist es so, dass die Entwässerung der Moore in Deutschland ähnlich hohe Treibhausgas-Emissionen verursacht wie der Luftverkehr. Trockengelegte Moore setzten nicht nur Kohlendioxid frei, sondern auch Lachgas - mit erheblichen Auswirkungen auf die Klimaerwärmung. "Moore sind Kohlenstoffsenken", erklärte der Referent. Moorböden speichern Treibhausgase durch den Vorgang der Photosynthese beim Pflanzenwachstum. Die Rechnung ist relativ einfach: Ein Hektar renaturiertes Hochmoor kompensiert den jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu fünf Mittelklasse-Pkw. "Wasser rauf und CO2 runter" könnte daher das Motto lauten für die Zukunft der Nutzung von Mooren.

In der Renaturierungspraxis werden ja nach Situation mit je nachdem mit leichterem oder schwerem Gerät Entwässerungs-Gräben verschlossen. Das sieht zunächst wüst aus, wie im Vortrag zu sehen war, doch nach kurzer Zeit kommt die Natur zurück. "Es dauert nicht lange, dann ist eine moortypische Pflanzendecke über die Baustelle gewachsen", sagte Winterholler. Interessante Beispiele hatte er aus dem Rosenheimer Becken parat: Wenige Kilometer westlich Raubling wurden auf über 100 Hektar die Entwässerung dicht gemacht und das Gelände modelliert. Auch auf bereits vorhandene seltene Tiere wurde Rücksicht genommen. Exkursionen in Moorgebiete sind erwünscht und ein Infozentrum lädt ein.

Den Akteuren des Naturparks sagte Winterholler ausdrücklich Dank und ermunterte Sie, die engagierte Arbeit fortzuführen.

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